Mein Begehren ist kein Kippschalter

In den letzten Jahren ist es bei mir ruhig geworden, wenn es um das Thema Begehren geht. Es liegt nicht etwa daran, dass es mich nicht mehr interessiert, was so alles diskutiert wird, welche Menschen welche Meinung vertreten zu etwas, dass sie nicht verstehen.
Es ist zu 50 % Resignation und zu 50 % daraus entstanden das ich selbst lernen wollte. Ich merke, dass in der deutschsprachigen queer feministischen Blogosphäre ich mich letztendlich entscheiden müsste zwischen radikalen zu mir selber stehen und Kooperation mit Menschen deren Arbeit ich, abgesehen von ihren Bi-feindlichen Positionen sehr schätze. Das Ganze hat genau das zur Konsequenz, was wir alle, die wir unter den Umbrella-Term „Bi“ fallen wohl am besten kennen: Rückzug in die Unsichtbarkeit.
Worüber ich sprechen möchte sind Gedanken, Ideen und Denkpunkte an denen ich gerade stehe. Es geht nicht darum, das ich mir  mit all dem sicher wäre, aber es geht darum wieder darüber zu sprechen bzw. zu schreiben um nicht die Unsichtbarmachung gewinnen zu lassen.

Bi vs Pan

Bi (a)sexualität gilt bereits als irgendwie fragwürdig unter monosexistischen Queers, doch Pan(a)sexualität wird fast wöchentlich anders eingeordnet. Eigentlich geht es um die Frage, welche der beiden Begehrensformen cis-sexistischer bzw. binärer ist. Ich habe mich lange daran abgearbeitet zu erklären warum es für mich, aus meiner Geschichten, für mich ganz allein nicht okay wäre mich Bi zu nennen: weil ehemalige Partner*innen mit mir den expliziten Deal hatten diesen Term nicht zu verwenden. Ich will mich daran halten, aber ohne dieser Lesart von Bi zuzustimmen. Ich mag viele Selbstdefinitionen von Bis und selbst wenn eine Person es genauso binär und cis-sexistisch meint ist eine wahrnehmbare Wahrnung von außen besser wie ein sugarcoding. Gleichzeitig ist für mich Pan etwas ganz anderes, etwas das unter den Umbrella Term fällt, aber etwas mitmeint das für mich viel eher beschreibt wer ich bin. Zunächst ein ganz unpolitischer Grund: ich wollte mich einfach nie mit dem wort Bi selbst beschreiben. Es klang immer schlichtweg falsch, unpassend.

Pan ist für mich nicht der Versuch als nicht monosexuelle Person mit cis-Privilegien mich nicht zu meiner eigenen cis-sexistischen Konstitution zu verhalten, sondern betont, das für mich A_ Gender nicht den ersten Rang einnimt bei Ausschlusskreterien wen ich begehre. Ich begehre keine Menschen die Mono a_sexuell sind, ich habs versucht, glaubt mir, aber nach wenigen Sekunden ist das Kribbeln weg. Dies ist das erste Krtiterium was eine Rolle spielt in meinem Begehren, nicht das_die jeweilige_n A_Gender der Person.

Ich mag es aber nicht wenn so getan wird als würden alle Pans sich nicht für das A_Gender der anderen Person interessieren, als wäre dies das vereinende Element von Pans, denn dies ist für mich nicht zutreffend. Ich mag z.B. ganz verschiedene Haarfarben an Menschen, ich kann für die braunen Haare der einen schwärmen und in der nächsten Situation hingerissen sein von eins roten Haaren, trotzdem ist es nicht mein Auswahlkriterium, das ist bei mir die Begehrensform, ich fühle mich nur zu Menschen hingezogen die nicht ausschließlich ein A_Gender begehren.  Bi verbalisiert für mich einfach eine Vervielfachung der begehrten A_Gender, was zwar auch Teil von Pan für mich ist, aber eben nicht der springende Punkt. Pans können Genderaffirming sein (YAY), oder auch nicht (BUH), das liegt dann aber eher an fehlender Wertschätzung des gegenübers wie an dem gewählten Label.

Was ich sagen möchte: Die Rolle die A_Gender in der Selektion der Personen spielt ist ein Spektrum, kein Kippschalter, kein entweder an oder aus, eher ein Dimmer. Ein Spektrum, aber irgendwie ist das Wort schon sehr abgenutzt.

Pan und das eigene A_Gender

Ein weiterer Pukt ist die neue Definition von Bi:
Begehren gegenüber deinem Gender und anderen Gendern
Ich verstehe schlichtweg nicht was mein Gender mit meinem Gefühl gegenüber wem anders zu tun hat, ich verstehe, das dies für andere eine Rolle spielt, es ist mir nur für mich gänzlich unnachvollziehbar. Gerade für mich ist es extrem wechselnd wie mein Verständnis meines eigenen Genders ist, es schwankt, drastisch. Meine Begehrensform hingegen ist so stabil Pan wie sie nur sein könnte seit dem ich andere Menschen hot finde.

Alle sind so

Vermutlich ist dies der verzögertste Antwort Post aller Zeiten, ich hatte einfach Angst. Hot Takes darüber wie albern und peinlich Pan a_sexualität ist trenden schamlos in meiner Timeline, ich glaube weißen und nicht-Schwarzen PoC Friends ist garnicht klar, das sie bei mir sich nicht aussuchen können was sie von mir sehen, ich bin genauso Pan wie ich Schwarz bin, wenn du das ignorierst, denkst es ist okay deinen Pan Hass in meine Timeline zu spühlen, dann ist das schnarchöde Bi und Pan Feindlichkeit, denn diese Identität einfach zu ignorieren war schon immer der Lieblingsmove der lesbischen, schwulen und queeren Bubble.

Der tieferliegende Punkt hinter dem ganzen ist, das es mich befremdet das gerade cis-sexistische Lesben so gerne über Pans und Bis herfallen mit dem Argument, ihre Identität wäre ein trans-exkludierender Move an sich. Erstens ist es absurd davon auszugehen das alls trans Menschen mono a_sexuell sind und zweitens: tokenising, much? Leute können jedes Label aus trans-exkludierende Weise nutzen, weil die ganze Gesellschaft einfach grundlgegend cis-sexistisch ist. Es ist relativ Wumpe ob du dich hetero, lesbisch, bi, pan oder queer verortest: in all diesem Communities gibt es cis-sexistische Grundstrukturen, weil in dieser kolonialisierten Gesellschaft Binarität ein Grundpfeiler der gesellschaftlichen Strukturierung ist.