{"id":662,"date":"2016-02-01T07:00:07","date_gmt":"2016-02-01T05:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/schwarzrund.wordpress.com\/?p=662"},"modified":"2023-12-16T17:28:02","modified_gmt":"2023-12-16T16:28:02","slug":"divide-and-rule-wer-teilt-wer-schweigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schwarzrund.de\/?p=662","title":{"rendered":"Divide and Rule &#8211; wer teilt, wer schweigt?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Divide and Rule &#8211; Wer teilt, wer schweigt?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mrbb.de\/dokumente\/pressemitteilungen\/MRBB-NL-2015-04%20Leben%20nach%20Migration.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">[Erm\u00f6glicht durch den MRBB Newsletter der in seiner G\u00e4nze hervorragend ist! ]<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00bbIt is not our differences that divide us. It is our inability to recognize, accept, and celebrate those differences.\u00ab <\/strong><\/p>\n<p><strong>Audre Lorde<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbDas wissen halt ganz, ganz viele nicht, es ist eure Verantwortung es zu erkl\u00e4ren!\u00ab der Kaffee im Aufenthaltsraum meiner Werkstatt erkaltet in meinen frostigen H\u00e4nden, jegliche W\u00e4rme zieht sich Richtung Bauch, die Extremit\u00e4ten erkalten, Beispielhaft wie bei einer Bilderbuch-Panikattacke.<br \/>\nMit der Verletzung kommt die Verpflichtung sie zu benennen, mit der Mehrfachpositionierung kommt die Verpflichtung sich zu positionieren, mit der Politisierung kommt die unbezahlte Bildungsarbeit &#8211; der Community zu liebe, ganz freiwillig unfreiwillig.<br \/>\n\u00bbWenn du diese Verletzung nicht mehr erfahren willst, dann musst du dir halt die Zeit nehmen es zu erkl\u00e4ren!\u00ab Ich dachte, diese Satzkonstellation h\u00e4tte ich mit der K\u00fcndigung hinter mich gebracht. Jetzt ist das Jahr 2016, seit neun Jahren bewege ich mich mehr oder weniger in separatistischen Gruppen: Schwarze Family, Queere Wahlfamilie und Linksradikale Organisation um meine Hoffnung zu n\u00e4hren weniger erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen. Leider stellte es sich als vergeblich heraus, doch wo fr\u00fcher die M\u00f6glichkeit bestand erz\u00fcrnt aufzuspringen und sich Luft zu machen, ist nun nur noch ein mehrstimmiges Wispern zu h\u00f6ren: \u00bbwenn du das jetzt benennst, dann, ja dann, wirkt wieder Divide and Rule, dann sagen wieder alle \u00bbah, da haben wir\u2019s: alle Queers sind Rassisten\u00ab oder \u00bbah da haben wir\u2019s: Links sein hei\u00dft wei\u00df sein\u00ab und \u00bballe Schwarzen sind cis \u00bb.<br \/>\nJedes Aufbegehren, dass nicht zu 100% auf Kosten der Verletzten geht, ist falsch, ist Divide and Rule und irgendwie nicht okay. Wenn es da drau\u00dfen auch nur eine Person gibt die ein passendes Stereotyp bereit h\u00e4lt, sei lieber leise, es wird ja doch nur ausgenutzt. Community bedeutet unbezahlt ohne R\u00fccksicht auf sich selbst lehren und lieben!<br \/>\nNur das diese Community-Love potentiell nicht allen verg\u00f6nnt wird, was bringt es mir von wei\u00dfen Queers geliebt zu werden und anderseits nicht akzeptiert zu werden weil Schwarz, weil dick, weil <a href=\"https:\/\/dontdegradedebsdarling.wordpress.com\/2014\/02\/22\/oh-wie-schon-ist-pan\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pan<\/a>? Wo genau steckt der R\u00fcckhalt in der Linken f\u00fcr mich wenn am Ende des Tages mein Vater als F* bezeichnet wird der Hilfe braucht um in diesem wei\u00dfen Land anzukommen? Wo genau ist die Sicherheit in der Schwarzen hetero cis Community wenn meine Identit\u00e4ten nur geduldet aber nicht verstanden, ignoriert aber nicht geliebt werden? Jede Kritik an einer Community kann als Divide and Rule gelesen werden, Silencing 101. Sie kann aber auch als das wahr genommen werden, was sie ist. Das ehrlichste Liebesgest\u00e4ndnis das ein Mensch zu geben im Stande ist, denn wenn ich mein Wissen, meine emotionalen Ressourcen, meine Hoffnung und meine Zeit investiere um zu kritisieren, dann muss das Objekt der Kritik mir am Herzen liegen. Wir Mehrfachdiskriminierten selektieren stark was wir kritisieren, und am Ende des Tages ist unsere Kritik immer eine Form von Anerkennung: ich wei\u00df um die Bedeutung dieser Community, deswegen erk\u00e4mpfe ich mir mit Schwei\u00df und Tr\u00e4nen meinen Platz in ihrer Mitte, deswegen lehre ich ohne Bezahlung, deswegen ertrage ich Verletzungen. Deswegen besch\u00e4ftige ich mich auch nicht mit einer generellen Deutschland-Kritik.<br \/>\nMeine kleine Seifenblase besch\u00fctzte mich davor zu realisieren, dass nicht alle Menschen queer gro\u00df gezogen worden sind, meine Vergangenheit in der vieles unausgesprochen dekonstruiert war lies die Seifenblase ganz trotz all der Stiche, bis zu diesem Sommer. Sie sitzt vor mir, ist mindestens 20 Jahre j\u00fcnger als die wichtigen Erziehungspersonen in meinem Leben, die bei den W\u00f6rtern \u00bbMann\u00ab und \u00bbFrau\u00ab nur m\u00fcde anfangen zu kichern. Sie erkl\u00e4rt mir, das bin\u00e4re Klos wichtig sind und viele, viele Funktionen des Raumes Klos die nur Bin\u00e4r lebbar w\u00e4ren. Sie erkl\u00e4rt mir das es halt alles ganz neu f\u00fcr alle w\u00e4re und das die Mode \u00bbTrans oder_und queer zu sein\u00ab \u00e4ltere Leute verwirre. Und auch die Kinder, und \u00fcberhaupt Klassismus. ich w\u00fcsste das ja alles nur wegen meiner klassistischen Privilegierung. Auch Trans * sein ist irgendwie Klassenprivileg, klingt im Unterton mit, so Menschen wie sie, die k\u00f6nnten das schon lernen aber eben nicht -ja wer eigentlich? Das reproduzierte Bild des armen bildungsfernen Afrikaners schwirrt \u00fcber unseren kolonialisierten K\u00f6pfen und mir wird mit jeder Sekunde schlechter. Ich denke an all die Geschwister auf dem Kontinent dank derer ich lernen durfte, dass Genderbin\u00e4rit\u00e4t ein koloniales neues Konzept ist, eben eine Mode die sich als schon immer dagewesen verkaufen will. Ein bisschen referiere ich dar\u00fcber wie problematisch ihr Konzept von Klasse ist, wie die Situation im Bezug auf Trans* und queer Personen diesbez\u00fcglich ist, dass etwas nicht wissen auch Privileg sein kann weil es eben keine Notwendigkeit gab etwas zu lernen, da mensch innerhalb der eigenen Community die konstruierte Norm ist.<br \/>\nIch denke im Stillen daran, dass die Trans*personen die gerade Zielscheibe ihrer Abwertungen werden im Bezug auf Klasse schlechter gestellt sind wie sie, dass Schwarze Trans*Geschwister in allen Klassen ermordet werden, und #blacklivematters zu selten gefolgt ist von #blacktranslivematters, das #translivematters zu selten gefolgt ist von #blacktranslivematters.<\/p>\n<p>Im Sekundentakt rattert sie runter, wie sehr sie mich unterst\u00fctzen wolle, ihn ja trotz seiner Identit\u00e4t sch\u00e4tze und beendet doch jeden Satz mit \u00bbes ist halt was Neues\u00ab.<\/p>\n<p>Auf einmal steht ein neuer Satz im Raum \u00bbwirkliche Geschlechter und falsche\u00ab und das dies halt f\u00fcr Kinder nicht wichtig sei. Das solche ja nie Eltern w\u00e4ren, ich f\u00fchle wie meine R\u00e4nder sich aufl\u00f6sen, ich verschwinde in ihrer Definition von Existenz und Wirklichkeit.<br \/>\nBin nicht mehr, war nie.<br \/>\nAn uns vorbei dr\u00e4ngen sich andere Kids queerer und Trans*Eltern, alle nur Einbildung. Alle nur neu, gerade entschl\u00fcpft um ihr den wichtigen Raum Klo streitig zu machen mit ihren \u00fcberzogenen Forderung Mensch sein zu d\u00fcrfen.<br \/>\nNachts schleiche ich mich aus meinem Zimmer, h\u00f6re das Rascheln, eine Frau, letztes Jahr noch Teil der queeren Arbeitsgruppe gewesen, dreht sich erschrocken zu mir um, in ihrer Hand zerknittert gerade das Blatt auf das Kinder \u00bbAll Genders\u00ab gestempelt haben. Ihre Schulter rammt die meine, ich verharre. Ich begreife erneut, das lesbisch nicht queer hei\u00dft, dass Community manchmal nur fordernde Liebe der Privilegierten hei\u00dft und K\u00e4lte gegen jene, die Anerkennung fordern.<br \/>\nVor mir prangt nun wieder das Genderschild das Lisa Simpson darstellt, zum dritten Mal, nun auf frischer Tat ertappt, nun habe ich Gender-Lisas R\u00fcckkehr erlebt. Ich sollte erkl\u00e4ren, lehren, aufkl\u00e4rend das Gespr\u00e4ch suchen und mit meiner Ruhe \u00fcberzeugen, doch stattdessen rei\u00dfe ich die Gender-Lisa ab, werfe sie in den M\u00fclleimer des Bades, dort liegen zerkn\u00fcllt weitere Kartoffelstempelschilder. Wenigstens wei\u00df ich jetzt warum meine Extremit\u00e4ten kalt sind, Panik nun auch an diesem Ort, der W\u00e4rme versprechen will.<br \/>\nDanach sitze ich zu hause, danach ist immer auch davor, schreiben andere freudig die in diesem Zusammentreffen das erste mal Ruhe gefunden haben. Danach ist immer auch davor, also muss ich benennen welche Ausschl\u00fcsse passiert sind, aber da sind eben auch die wei\u00dfen Mitlesenden. Da ist eben auch Divide and Rule. Da ist eben auch die Angst Stereotype zu f\u00fcttern. Also l\u00f6schte ich alles Geschriebene, zog mich zur\u00fcck, leckte die Wunden nur innerhalb der sub-sub-Community, versteckte mich bei queeren Geschwistern, st\u00e4rkte andere und st\u00e4rkte mich. Aber es reichte nicht, mir schwirrte weiterhin der Anspruch des Lernens und Lehrens im Kopf herum, warum wird in Communitys immer gefordert, dass eben jene die verletzt wurden lehren sollen, diese aber nie entscheiden d\u00fcrfen durch \u00d6ffentlichkeit zu lehren?<br \/>\nWarum ist die Schuld des Divide and Rule in allen Communitys nicht bei jenen die durch Rassismus, Colorism, Anti-Queerness, Transfeindlichkeit, Sexismus, Klassismus etc. Menschen ausschlie\u00dfen sondern immer bei jenen zu suchen die diese Ausgrenzungen benennen um das eigene \u00dcberleben in der Gesellschaft und Community zu garantieren?<br \/>\nWie lange ist Divide and Rule noch das tragende Argument um Ausschl\u00fcsse in unserer Community unbenannt zuzulassen? Wie lange bleibt das wei\u00dfe\/bin\u00e4re\/hetero\/konservative Subjekt die Handlungsgrundlage f\u00fcr unseren Umgang miteinander?<br \/>\nNie habe ich mich sosehr aufgenommen gef\u00fchlt in der queeren BPoC Community wie nach diesem Sommer, nie so ausgeschlossen von u.a. <a href=\"https:\/\/dontdegradedebsdarling.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wei\u00dfen monosexistischen Queers<\/a>. Die Seifenblase in der ich Teil vom Wort Queer in diesem Land bin ist zerplatzt zwischen Rassismus und Monosexismus. Die Worte Liebe und Familie weiterhin beschreibend f\u00fcr meine Schwarzen Communitys, aber nun bitter im Rachen, hoffnungsvoll auf der Zunge und un_sicher im Wort.<br \/>\n\u00bbEs wird sich \u00e4ndern\u00ab sag ich und hoffe auf Zustimmung von dir. \u00bbDas wird es\u00ab sagst du und ich nicke unmerklich. Community ist auch, dieser Moment mit dir, sp\u00fcre ich im Stillen. Wir beide geben uns Raum und erkennen, akzeptieren und zelebrieren ein_ander im Anders, Audre w\u00e4re stolz auf uns gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Divide and Rule &#8211; Wer teilt, wer schweigt? [Erm\u00f6glicht durch den MRBB Newsletter der in seiner G\u00e4nze hervorragend ist! ] \u00bbIt is not our differences that divide us. 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