{"id":553,"date":"2015-11-10T21:00:11","date_gmt":"2015-11-10T19:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/schwarzrund.wordpress.com\/?p=553"},"modified":"2023-12-16T17:26:37","modified_gmt":"2023-12-16T16:26:37","slug":"transfeindlichkeit-im-stadtbad-neukoelln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schwarzrund.de\/?p=553","title":{"rendered":"Trans*feindlichkeit im Stadtbad\u00a0Neuk\u00f6lln"},"content":{"rendered":"<p>[Publiziert auf maedchenmannschaft.net]<\/p>\n<p>Bitte unterzeichnet den<a href=\"http:\/\/isdonline.de\/offener-brief-an-die-leitung-des-stadtbad-neukoelln-sowie-die-berliner-baeder-betriebe\/\"> Offenen Brief <\/a>an das Stadtbad Neuk\u00f6lln Mail an\u00a0 <a href=\"mailto:juliusfranklin@isd-bund.org\">juliusfranklin@isd-bund.org<\/a><\/p>\n<p>\u00bbWellness ist ein Akt des Wiederstandes\u00ab, dieses Zitat von Audre Lorde wird oft und gerne zitiert. Wie sehr dies aber wortw\u00f6rtlich den Alltag Schwarzer Trans*personen in Deutschland beschreibt, wurde uns am 3.11.15 im Stadtbad Neuk\u00f6lln erneut deutlich gemacht.<\/p>\n<p>Das Stadtbad Neuk\u00f6lln (bekannt aus der Fernsehserie \u201eSense 8\u201c, in der unter anderen die Transfrau Jamie Clayton eine der Hauptrollen spielt) hat neben seiner einzigartigen imposanten Bauweise einen weiteren Alleinstellungsfaktor in Berlin: Das Wasser ist immer angenehme 30\u00b0C warm, somit kriegt mensch ein recht bezahlbares Wellnesserlebnis.<\/p>\n<p>Wir betraten also den bin\u00e4ren Umkleidebereich (einen anderen gibt es nicht), sofort zischte uns eine Person entgegen, dass \u00bbhier der Frauenbereich ist\u00ab, wir bedankten uns f\u00fcr die Information und betraten den Kabinenbereich. A. verschwand in die erstbeste Kabine, in der Hoffnung, sich dieses mal ohne weitere verbale Angriffe umziehen zu k\u00f6nnen. Als ich in meine Umkleide wollte, st\u00fcrmte eine <em>wei\u00dfe<\/em> Person auf uns zu. Lauthals und agressiv erkl\u00e4rte sie, dass es so nicht gehe, dass, hier der Frauenbereich sei. A. erkl\u00e4rte erneut und ruhig, dass A. eine Trans*person ist und somit sich hier umzieht, aufgrund der Selbstidentifikation Frau. A. ging erneut in die Einzelkabine, die agressive Frau trat mit mir in den Dialog. Sie w\u00fcrde jetzt die Badleitung rufen, dass es letzte Woche schon erkl\u00e4rt worden sei, dass sie Angst um ihre Kinder h\u00e4tten, wenn M\u00e4nner hier seien, dass nackte (Cis-)Frauen sich von A.\u2019s Anwesenheit bel\u00e4stigt f\u00fchlten\u2026 Es wurde immer gewaltvoller, jedweder Hinweis auf ihre Grenz\u00fcberschreitungen, Stigmatisierungen, Trans*feindlichkeiten und Beleidigungen wurden beantwortet mit Misgendering und der rassistischen Annahme, dass wir ja aggressiv seien, weil wir nicht diskussionslos solche Verletzungen hinnahmen.<\/p>\n<p>Die Badleitung kam hinein, in Begleitung zweier M\u00e4nner, die unhinterfragt den Umkleidebereich betreten durften. Frau K. forderte uns mehrfach auf, ihr die Hand zu geben und uns vorzustellen, wir blieben bei einem \u201eHallo\u201c, zu \u00e4ngstlich in diesem gewaltvollen Raum unsere Namen zu sagen. Wir wiesen darauf hin, dass wir gerne schwimmen gehen w\u00fcrden und keinen Bedarf h\u00e4tten, mit der Badleitung zu reden. A. erkl\u00e4rte erneut das eigene Trans- und Frausein und die daraus resultierende Berechtigung f\u00fcr diesen Bereich. A. erkl\u00e4rte auf Nachfrage, was denn los sei, dass es eneut zu verbalen \u00dcbergriffen im Umkleidebereich kam. Wir wurden aufgefordert, den Umkleidebereich zu verlassen um \u00fcber die Situation zu sprechen, leicht bekleidet in Badesachen wurden wir also vom Schwimmbadpersonal abgef\u00fchrt. Nur widerstrebend wurde zugestimmt, dass A. erstmal die eigenen Sachen im Frauenumkleidespint lassen durfte.<\/p>\n<p>Die darauf folgenden drei\u00dfig Minuten im Gespr\u00e4ch mit der Badleitung wurden immer schmerzhafter. Wir wurden immer wieder unterbrochen im Gespr\u00e4ch, unsere K\u00f6rper gegendert und A. gemisgendert \u2013 \u00bbWie ich Sie jetzt sehe sind Sie ein Mann\u00ab. Jedwede Aufkl\u00e4rungsversuche \u00fcber das Gleichbehandlungsgesetz wurden weggewischt mit dem Hinweis auf die Badeverordnung (die wohl nach Frau K\u2019s Einsch\u00e4tzung \u00fcber deutsche Gesetze erhoben ist). Die L\u00f6sung die uns vorgeschlagen wurde war ein Fernhalten von Trans*k\u00f6rpern aus den Umkleiden, eine eingeschr\u00e4nkte Nutzung des Schwimmbades (\u00bbSie wollen eh nur in die kleine Halle, oder?\u00ab) und beeinhaltete den stark ge\u00e4u\u00dferten Wunsch, dass A. ja einfach mit der Trans*gruppe schwimmen gehen k\u00f6nnte, die sich einmal monatlich trifft. So sehr ein solches Angebot zu begr\u00fc\u00dfen ist, einmal im Monat f\u00fcr zwei Stunden in ein kaltes Schwimmbad in einem ganz anderen Stadtteil gehen zu d\u00fcrfen (f\u00fcr einen erh\u00f6hten Preis von 5\u20ac), ist nicht zu vergleichen mit jener Nutzungsm\u00f6glichkeiten der \u00f6ffentlichen B\u00e4deranstalten f\u00fcr Cispersonen.<\/p>\n<p>Wie sieht es aus, wenn Trans*personen Sportschwimmen wollen? Hier reicht ein einmaliges Schwimmen im Monat kaum aus. Oder es k\u00f6rperliche Gr\u00fcnde gibt, bei denen Schwimmen eine gute Form der Selbsttherapie sind? Gerade in einem Land, in dem Trans*personen einen so stark eingeschr\u00e4nkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, sollten eben solche Orte des Wellnesses, des Sports und der \u00d6ffentlichkeit nicht versperrt bleiben.<\/p>\n<p>Als wir erfragten, ob wir, wenn wir uns auf ihren Vorschlag einlie\u00dfen, der beinhaltete, dass wir zum Wechsel zwischen den Schwimmhallen durch den gegenderten Bereich m\u00fcssen, im Gegenzug wenigstens mit der Unterst\u00fctzung gegen \u00dcbergriffe durch die Badleitung rechnen k\u00f6nnten, wurde versucht nicht zu antworten. Am Ende sollten wir abgespeist werden mit einem \u00bbIch denke dar\u00fcber nach, aber es ist sehr schwierig\u00ab.<\/p>\n<p>So sehr es der Badeleitung auch missf\u00e4llt, das Argument, \u00bbdies k\u00f6nne nicht hier gekl\u00e4rt werden, sondern muss woanders politisch geregelt werden\u00ab reicht nicht aus. Auch die Antwort, dass sie sich nun seit letzter Woche ja auch informiert habe, reicht nicht aus. Sie in ihrer Funktion als Badeleitung in einem \u00f6ffentlichem Schwimmbad m\u00fcssen ihrer Aufgabe nachkommen allen Nutzer*innen dies zug\u00e4nglich zu machen, derzeit <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/rbmskzl\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2015\/pressemitteilung.263905.php\">finanziert Berlin mit 50 Mio Steuergeldern die Berliner B\u00e4derlandschaft<\/a>.\u00a0Dass einer Gruppe ebenjene nicht zug\u00e4nglich gemacht werden, ist nicht tragbar. Berlin wirbt mit seinem bunten, queerfreundlichen Image, die Realit\u00e4t sieht aber anders aus. Nur Initiativen ist es zu verdanken, dass von\u00a062 Berliner Schwimmb\u00e4dern wenigstens eines einmal im Monat f\u00fcr zwei Stunden die Nutzung f\u00fcr Trans*Personen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Beim Verlassen des Schwimmbades versuchte Frau K. unsere Namen zu erfragen, wollte ihren nur nach siebenfacher Aufforderung mitteilen. Es wurde versucht, unsere Tickets einzubehalten. Die Kitabetreuerin weigerte sich, ihren Namen oder den Namen der Kita mitzuteilen, sie wies nur darauf hin, daxs \u00bbsolche Leute\u00ab immer so aggressiv seien.<\/p>\n<p>Wir fordern von allen zust\u00e4ndigen Stellen in Berlin, dass Wellness und Sporttreiben allen zug\u00e4nglich gemacht wird. Nicht T\u00e4ter*innen trans*feindlicher \u00dcbergriffe ben\u00f6tigen ihre Unterst\u00fctzung, sondern die Opfer von Cissexismus.<\/p>\n<p><strong>Quelle: <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/transfeindlichkeit-im-stadtbad-neukoelln\/\">Trans*feindlichkeit im Stadtbad\u00a0Neuk\u00f6lln<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Publiziert auf maedchenmannschaft.net] Bitte unterzeichnet den Offenen Brief an das Stadtbad Neuk\u00f6lln Mail an\u00a0 juliusfranklin@isd-bund.org \u00bbWellness ist ein Akt des Wiederstandes\u00ab, dieses Zitat von Audre Lorde wird oft und gerne zitiert. 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