{"id":2005,"date":"2020-10-03T11:00:26","date_gmt":"2020-10-03T09:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/schwarzrund.de\/?p=2005"},"modified":"2023-12-16T17:46:31","modified_gmt":"2023-12-16T16:46:31","slug":"decolonizenormen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schwarzrund.de\/?p=2005","title":{"rendered":"Decolonize: Neue (wei\u00dfe) queere Normen"},"content":{"rendered":"<p>H\u00f6rversion, alle Podcasts auf: <a href=\"http:\/\/feeds.feedburner.com\/Schwarzrund\">RSS<\/a> <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/47O3LtFLrt5UMenGQobyIJ\">spotify<\/a> <a href=\"https:\/\/www.stitcher.com\/podcast\/rampe-reicht\/schwarzrund-zum-horen\">Stitcher<\/a><\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-2005-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/decolonize_wei\u00dfe_queere_normen.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/decolonize_wei\u00dfe_queere_normen.mp3\">https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/decolonize_wei\u00dfe_queere_normen.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter vorgehaltener Hand ist die neue Norm queer=poly zwischen Schwarzen queers\/Queers of Color verflucht oft Thema.<\/p>\n<p>Freund*innenschaft, Bekanntschaft, \u201emensch kennt sich halt aus der Community\u201c, RZB, romantische Beziehung(en) , Wahl-Familie, poly oder monogam. \u201eDen Standard ver\u00e4ndern, die Norm verschieben\u201c war in wei\u00dfen queeren Communities \u00a0auch das Ziel v<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2035 alignright\" src=\"https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/monopoly-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"347\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/monopoly-300x300.jpg 300w, https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/monopoly-150x150.jpg 150w, https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/monopoly-768x768.jpg 768w, https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/monopoly-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/schwarzrund.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/monopoly.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 347px) 100vw, 347px\" \/>on K\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die Radikalen wollen \u201eein Familienbild das nicht hetero-normativen Normen folgt \u201c (westliche Normen die das eigene Leben aber finanzieren durch generationale Privilegien), die Liberalen fordern die Vorstadt-Ehe f\u00fcr alle (<em>alle<\/em> meint hier schweigend: cis-Personen mit Staatsb\u00fcrgerschaft).<\/p>\n<p>Nur in einem sind sich alle einig: ihr Weg ist ganz anders, ein bisschen besser und w\u00e4re die <em>einzige<\/em> Option endlich die Community zu vereinen.<\/p>\n<p>Denn es gilt:<\/p>\n<p>\u201ewenn wir endlich die monogame Beziehungsform aufgeben, ist es auch eigentlich mit dem Patriarchat vorbei!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn alle heiraten k\u00f6nnen, herrscht endlich gesetzliche Gerechtigkeit, wenn es ums Erben, die Versorgung im Krankheitsfall oder das adoptieren geht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn Queers endlich alle Monogam werden, k\u00f6nnten wir der heteronormativen Gesellschaft zeigen: Wir sind gar nicht so anders, ihr habt keinen Grund uns unsere Rechte abzusprechen!\u201c<\/p>\n<p>Aber, wie Mignolo gesagt hat:<\/p>\n<blockquote><p>Once again, the goal of decolonial options is not to take over, but to make clear, by thinking and doing, that global futures can no longer be thought of as one global future in which only one option is avaidable; after all, when only one option is available, &#8222;option&#8220; entirely loses its meaning.<\/p>\n<p>(Mignolo 2011, S. 24)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn also radikales neu_Denken von zwischenmenschlichen Beziehungen nicht darin enden kann eine einzige Option zu haben, was bedeutet das f\u00fcr unsere lieb gewordenen Normen in der Community? Wenn also unsere neuen Normen weiterhin in einer kolonialen Welt passieren: wie k\u00f6nnen wir radikal neu_Denken ohne dabei alten Machtgef\u00fcgen in die Hand zu spielen? Oder, deutlicher ausgedr\u00fcckt: solltest du die gesellschaftliche Normen \u00fcber Bord werfen in dem Moment wo sie einer Schwarzen Person Sicherheit geben? Ist es gerade die Queere Beziehung zu einer Person aus einem Kulturkreis in der Poly-Sein gesellschaftliche Norm ist, in der du Poly sein als radikale Akt als Standard anwendest, nicht kommunizierst und \u201eeinfach davon ausgehst\u201c, dass er_sies auch geil und radikal findet, obwohl die eigenen gesellschaftlichen Erfahrungen ihr_ihm einen komplexeren Einblick lieferten?<\/p>\n<h2><strong>Let\u2019s Schweigen f\u00fcr die Norm<\/strong><\/h2>\n<p>Ich habe den letzten Monaten viel dar\u00fcber nachgedacht, wie sehr Schweigen Teil von Normen ist. Ein alter Hut, wenn wir \u00fcber kritisches Wei\u00dfsein, hetero-\/cis-sexistische Normen oder nicht-behinderte Perspektiven sprechen:<\/p>\n<p>Kritisches Wei\u00df-sein: Ein Schmink-tisch bei einem Anti-Ra Festival, alle Foundations Schneewandwei\u00df.<\/p>\n<p>Hetero-\/cis-Sexismus: Kinderb\u00fccher, Hetenpaare und Geschlechtsteilverk\u00fcndungspartys.<\/p>\n<p>Ableismus: Veranstaltungsank\u00fcndigungen ohne Barriere-Angaben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch wo schweigt der durchschnittliche wei\u00dfe Queer besonders laut, weil er eine neue, f\u00fcr sich gem\u00fctlichere Norm hier besonders gut ertesten kann? Warum fordern wei\u00dfe Queers ohne migrationserfahrung ihr neues Pronomen besonders laut und Schuld-behaftet bei der Personen ein die sich gerade in einem neuen Sprach-Umfeld bewegt (aber findens bei anderen voll verst\u00e4ndlich)?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich stelle Fragen, statt Antworten zu geben, weil die Antwort sowohl schmerzhaft wie offensichtlich ist: <em>Queering<\/em> als radikales Konzept aus wei\u00dfer Hand hat historisch gesehen einen bitteren Beigeschmack gegen\u00fcber Rassismus-Erfahrenen, das macht auch vorm Privaten, vorm daten, nicht halt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Kann das gequeert werden, oder ist es daf\u00fcr zu Schwarz?<\/strong><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das offensichtlichste Beispiel ist vielleicht die Musik-Wahl des durchschnittlichen queeren Clubs: da werden rassistische, queer- und behindertenfeindliche Schlagersongs \u00a0gespielt, um der so b\u00f6sen queer-feindlichen Mainstream-Musik zu entfliehen. <em>Mainstream<\/em> ist hierbei: Schwarze Popmusik, HipHop, alles was vielleicht weniger oder genauso schlimm ist, im Bezug auf die Kategorien Queer und Behinderung, aber sich erlaubt wei\u00df sein nicht zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Die neue queere Norm ist also nur f\u00fcr manche bequem, und vielleicht ist das der traurigste Aspekt an dieser ganzen Frage, dienen queeren Neuinterpretationen von Beziehungen ausschlie\u00dflich der erh\u00f6hten Bequemlichkeit wei\u00dfer Menschen?<\/p>\n<p>Und wenn ja muss ich einfach ganz dekolonial Fragen:<\/p>\n<p>auf welchen Schmerz beruht euer Unwillen zu erfragen warum und welche Beziehungsform Dating-Partner of Color\/ Schwarze\u00a0 Dates sich w\u00fcnschen, woher kommen eure Vor-Annahme und warum investiert ihr nicht die Arbeit sie in Frage zu stellen, warum konntet ihr Ursula fragen, aber Schwarze Femmes, Frauen, M\u00e4nner\u2026 nicht?<\/p>\n<p>Euer Schweigen aufgrund von Vorannahmenzeigen sich anhand kolonialer Trenn-Linien.<\/p>\n<p>Es ist laut um das Thema der Frage nach Beziehungen und Freund*innenschaften geworden, doch im kolonialen Stil verhandeln die meisten Tweets, Artikel und Podiumsdiskussion die Frage nach: Was ist das bessere: Poly oder monogam? Es kann einfach nur eine Option geben.<\/p>\n<p>Sie Fragen nicht, historisch richtiger: heutzutage gibt es Gesellschaften die sich auf dem Spektrum monogam bis Poly \u00a0ganz unterschiedlich veroten. Trotzdem sind Beziehung \u00fcberdurchschnittlich und durch alle Beziehungsform hindurch F\u00fcr Schwarze Frauen\/Queers\/ of Color ein sehr viel h\u00f6heres gesellschaftliches, finanzielles und gesundheitliches Risiko wie f\u00fcr M\u00e4nner. Gerade wei\u00dfe M\u00e4nner haben gesellschaftlich und innerhalb der Beziehung wie auch beruflich den h\u00f6chsten Gewinn.<\/p>\n<p>Wie kann das sein?<\/p>\n<p>Und: wenn es unabh\u00e4ngig von Poly oder monogam so ist: was macht die moralische H\u00f6her-Einstufung des einen mit denen die durch Beziehungen als gesellschaftliche Grund-Form eh schon weniger privilegiert sind?<\/p>\n<p>In meiner Heimat ist es normal das viele wei\u00dfe und light-skin M\u00e4nner nicht monogam leben, doch das entspricht nicht den F\u00e4higkeiten, Bed\u00fcrfnissen und Lebensplanungen aller. Doch es herrscht Schweigen statt Aushandlung.<\/p>\n<p>In der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland wird die Norm beschrieben das alle Menschen monogam sein sollten, doch auch das entspricht nicht den F\u00e4higkeiten, Bed\u00fcrfnissen und Lebensplanungen aller. Doch es herrscht Schweigen statt Aushandlung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der queeren Szene Deutschlands wird die Norm herbeigew\u00fcnscht, das poly die Grundannahme sein sollte, doch das entspricht nicht\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>und sollte es auch nicht, denn Queering ist zum Scheitern verurteilt, wenn es ein \u201edagegen\u201c beschw\u00f6rt, wo es global gar kein eindeutiges daf\u00fcr gibt. Sich besonders queer zu <em>f\u00fchlen<\/em> weil du poly bist zeigt: dein kultureller Refernzrahmen ist \u00e4u\u00dferst kolonial gepr\u00e4gt. Du gehst von der Norm eines kleines St\u00fcckchens Erde aus und findest: alle die eher <em>Anti<\/em> drauf sind, sind doch auch sicher hier anti also poly.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Die Ressource: Beziehung<\/strong><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Queers sind mit anderen Normen gro\u00df geworden, die Grenzen sind undeindeutig. Sowohl monogame wie poly Normen wirken sich, global betrachtet negativer aus auf Schwarze Queers\/Frauen aus. Doch in den Gespr\u00e4chen und Workshops wird eine Grenze immer deutlicher: wei\u00dfe Queers k\u00f6nnen gut fr\u00fch miteinander aushandeln ob sie poly oder monogam sind, denn in ihrer wei\u00df gepr\u00e4gten Vorstellung kann es schon sein das Anne-Lise vielleicht doch gern \u201ewen f\u00fcr sich h\u00e4tte\u201c, schlie\u00dflich ist Anne-Lise wei\u00df. Doch das radikale Schweigen, das Befeuern der Norm, das davon-ausgehen das nichts verbindlich oder gar exklusiv ist wird erprobt und praktiziert an Schwarzen\/oC Frauen\/ Schwarzen Queers\/Queers of Color.<\/p>\n<p>Eine koloniale Tradition, denn mit der Schwarzen Versklavten zu schlafen galt auch in monogamen Beziehungen des 17ten \/ 18ten Jahrhunderts nicht als voller Ehebruch. Eine Schwarze Versklavte konnte sogar ins Herrenhaus Einzug erhalten und \u201ezur Frau genommen\u201c werden, hatte jedoch keinen Anspruch auf eheliche Rechte wie Erbe, Monogamit\u00e4t des Partners und das daraus folgende Recht der Scheidung.<\/p>\n<p>Ehen und verbindliche Beziehungen sind immer eine Ressourcenreduktion auf jene, die dem Sch\u00f6nheits\/wert und der \u201eMensch\u201c- Norm entsprechen, das Private ist politisch gepr\u00e4gt. Sich umeinander k\u00fcmmern, zusammen leben, Geld zusammen kostensparsamer einsetzen \u2013 wer mehr Zugang zu Beziehungen hat, die den eigenen Bed\u00fcrfnissen gerecht werden, hat mehr Zugang zu kapitalen G\u00fctern und gesellschaftlicher Macht.<\/p>\n<p>Die Annahme das ein Schwarzer K\u00f6rper\/K\u00f6rper of Color sich keine Exklusivit\u00e4t in der Beziehung mit einer wei\u00dfen Person zu erhoffen hat, gesellschaftliches Codes die ohne Artikulation kommunizieren- das hier ist monogam, exklusiv- zu bedienen ohne sie zu meinen, \u00a0ist nichts besonders <em>Gequeertes<\/em>, keine neue coole Norm. Es ist ein Ausl\u00f6schen von Optionen queeren Lebens f\u00fcr jene, die nie von der monogamen Norm profitiert haben. Und damit, unabh\u00e4ngig vom Funken des \u201eNeuen und ganz anders\u201c eine koloniale Praxis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*Mignolo, Walter D. (2011): The darker side of Western modernity. Global futures, decolonial options. Durham: Duke University Press (Latin america otherwise). Online verf\u00fcgbar unter http:\/\/site.ebrary.com\/lib\/alltitles\/docDetail.action?docID=10516146.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6rversion, alle Podcasts auf: RSS spotify Stitcher &nbsp; Hinter vorgehaltener Hand ist die neue Norm queer=poly zwischen Schwarzen queers\/Queers of Color verflucht oft Thema. Freund*innenschaft, Bekanntschaft, \u201emensch kennt sich halt aus der Community\u201c, RZB, romantische Beziehung(en) , Wahl-Familie, poly oder monogam. \u201eDen Standard ver\u00e4ndern, die Norm verschieben\u201c war in wei\u00dfen queeren Communities \u00a0auch das Ziel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2035,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2005"}],"collection":[{"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2005"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2005\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2039,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2005\/revisions\/2039"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schwarzrund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}