{"id":1110,"date":"2016-09-22T08:58:46","date_gmt":"2016-09-22T06:58:46","guid":{"rendered":"http:\/\/schwarzrund.de\/?p=1110"},"modified":"2023-12-16T17:43:56","modified_gmt":"2023-12-16T16:43:56","slug":"schlechter-feminismus-schlechte-lesbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schwarzrund.de\/?p=1110","title":{"rendered":"Schlechter Feminismus \/ schlechte Lesbe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/schwarzrund.de\/bad-feminism-bad-lesbian\/\">[english version click here]<\/a><\/p>\n<p>&#8222;Schlechte Feminist*Innen&#8220; oder &#8222;Schlechte Lesben&#8220; &#8211; darum soll es nun vermehrt gehen, unter anderem auf einem Panel im SchwuZ (Ein queerer Berliner Club).<br \/>\nAuf der Facebook Seite gibt es dazu Kritiken und Diskussionen, viele Aktivist*innen nehmen Energien und Ressourcen in die Hand um gratis \u00fcber ihre eigenen Perspektiven zu lehren. Die Gegenseite argumentiert\u00a0 diskriminiert da gegen an.<\/p>\n<p>Zu dem Panel wurden verschiedene Leute eingeladen, die eben diese Ausgeschlossenen repr\u00e4sentieren sollen, und erstmal finde ich das Thema super.<\/p>\n<p>Lesbische R\u00e4ume empfinde ich schon seit Jahr und Tag als extrem exklusiv. Auf den L-Tunes Partys bewegte ich mich erstens selten und zweitens wie ein Fremdk\u00f6rper. Meine Femmeness entsprach dem Dresscode nicht, mein Schwarz sein war eh irgendwie nicht queer.<br \/>\nAuch klingen die Flyer von vielen -explizit lesbischen, nicht queeren- R\u00e4umen immer wenigstens ein bisschen wie wei\u00dfer 70er Jahre Feminismus. &#8222;Wir Frauen, Frauen K\u00f6rper, Frauen die Frauen lieben..&#8220; Und ich mag das dann immer so lesen, als ginge es dabei nicht nur um Cis Frauen, nicht nur um Monosexuelle, nicht nur um jene die wei\u00dfen Sch\u00f6nheitsidealen entsprechen.<br \/>\nAber die Flyer sprechen eine klare Bildsprache: Kurze Haare, wei\u00df, d\u00fcnn und mit cis-normativen Sch\u00f6nheitsprivilegien ausgestattet. Irgendwie ist auf diesen Flyern selten_nie jemand wie ich, jemand aus meinem queeren Freund*Innen Kreis zu sehen.<br \/>\nAlso dachte ich bei dem Panel an Personen die und\/oder: Trans, trans* non-binarity, two-sprit, queer, femme, latin@, agender, inter, fat, lower class, freedom fighter, ohne Status, migriert, pan, bi, asexual, disabled, pathologisiert, Mutter, Vater, Alt etc sind.<br \/>\nDas Thema ist so so wichtig, klar f\u00e4llt das wei\u00dfen Cis-Frauen auf die F\u00fc\u00dfe, es ist ihre letzte Bastion.<\/p>\n<p>Nur hab ich daf\u00fcr kein Mitleid, wann immer Argumente fallen wie &#8222;fr\u00fcher war das besser&#8220; &#8222;nicht auch noch hier&#8220; oder &#8222;ich lass mich nicht PC machen&#8220; sollten jene einhalten, googeln wer noch so gegen &#8222;Genderismus&#8220; ist (SPOILER: Es sind Rechte und Maskulinisten) und trotz all der Trauer, nicht mehr die am wenigstens privilegierte Gruppe im Raum zu sein, sich freuen.<br \/>\nWas, sich freuen dar\u00fcber eigene Privilegien zu reflektieren? Ja! Why? Weil wir nur von der \u00e4lteren Generation und ihren K\u00e4mpfen lernen k\u00f6nnen, wenn sie uns sieht, liebt und sich selbst reflektiert.<br \/>\nDas denk ich mir nicht einfach so aus, das habe ich von der \u00e4lteren Generation z.B. gelernt. Angela Davis fordert sogar die j\u00fcngere Generation ganz explizit dazu auf, ihre Held*innen der Bewegungen in Frage zu stellen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/qz.com\/778719\/civil-rights-icon-angela-davis-wants-young-activists-to-challenge-their-heroes\/\">&#8222;there will always be unfinished activisms.&#8220; <\/a><\/p>\n<p>Bewegungen \u00e4ndern sich, Gruppen die \u00fcber Jahrzehnte ausgeschlossen wurden finden Strategien auf Ausschl\u00fcsse hinzuweisen. Es liegt ganz an euch, ob ihr euch wie ein Deutscher Macker im Urlaub auf euer Handtuch beruft, dass seit SECHS Uhr auf der Sonnenliege wartet oder Platz macht, mitteilt und versteht: Ihr habt Fehler gemacht.<br \/>\nMenschen machen Fehler.<\/p>\n<p>Bewegungen schlie\u00dfen immer aus, deswegen sollten Bewegungen genau das st\u00e4ndig debattieren.<\/p>\n<p>Aber: Auf Ausschl\u00fcsse hinzuweisen, auf Diskriminierungen hin zu wei\u00dfen und damit verbundene Verletzungen ist nicht das selbe wie zu diskriminieren.<\/p>\n<p>Magda Albrecht sagte es so sch\u00f6n &#8222;immer einmal schlimmer&#8220;.<br \/>\nKlar, es tut weh auf eigenes diskriminierendes Verhalten hingewiesen zu werden, aber die Diskriminierung zu erfahren ist &#8211; immer einmal schlimmer.<\/p>\n<p>Monika Hermann ist nicht irgendeine Person, sie ist Politikerin. Ihre Politiken schadeten Geschwistern, Menschen, Br\u00fcdern, Schwestern, Lesben, Schwulen, Behinderten.<br \/>\nJene die so daf\u00fcr wettern sie als Lesbe zu sehen, die so darum bitten doch als Behinderte lesbische Frau anerkannt zu werden: Genau jene schloss sie aus. Genau jenen nahm sie den Wohnraum, die Lebensexistenz, die Luft zum atmen, lies zu das die Polizei sie versuchte auszuhungern, mit Bananenscheiben wedelte und Tagelang maltr\u00e4tierte.<br \/>\nSie ist keine schlechte Lesbe, keine schlechte Feministin. Sie ist allem voran eine Person die all dies zulie\u00df.<br \/>\nGanz sch\u00f6n unsch\u00f6n oder?<br \/>\nAber es ist irrelevant, PC, dogmatisch, vom hohen Ross und \u00fcberhaupt wenn wir darauf hinweisen.<br \/>\nWeil wir einen wei\u00dfen K\u00f6rper damit kritisieren.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re wenn die #ohlauer nicht Black \/ PoC besetzt w\u00e4re? Was w\u00e4re wenn es um ein lesbisches wei\u00dfes Hausprojekt dabei gegangen w\u00e4re?<\/p>\n<p>Das Problem liegt nicht in der fehlenden Empathie von queers\/trans\/Trans*\/PoC\/Black Personen, sie liegt in eurer fehlenden Empathie gegen\u00fcber uns, weil unsere fehlende Schablonenhaftigkeit in eurem lesbisch keinen Raum findet.<\/p>\n<p>Weil ihr lesbisch-sein zu etwas macht, dass es nicht sein sollte.<\/p>\n<p>Das Handtuch der Cis wei\u00dfen Deutschen, die wirklich gern die Sonnenliege am Pool behalten will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[english version click here] &#8222;Schlechte Feminist*Innen&#8220; oder &#8222;Schlechte Lesben&#8220; &#8211; darum soll es nun vermehrt gehen, unter anderem auf einem Panel im SchwuZ (Ein queerer Berliner Club). Auf der Facebook Seite gibt es dazu Kritiken und Diskussionen, viele Aktivist*innen nehmen Energien und Ressourcen in die Hand um gratis \u00fcber ihre eigenen Perspektiven zu lehren. 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