Decolonize – die ultimativ einzige Wortdefinition

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Skript:

Eine decolonize Challenge – aber braucht es dafür nicht zunächst eine Definition? Was genau ist dekolonial und wann ist alles dekolonialsiert – was ist das Ziel davon und was hat es mit mir zu tun?

Diversity ist ein Begriff der öfter verwendet wird – ein Begriff der sich vor allem darauf bezieht wie z.B. Firmen, Vereine oder Kampangnen im _Kapitalismus zusammengesetzt sind. Dank Prof. Dr. Auma kam ich näher an den Begriff decolonize ran, endlich ein Wort das meinen Bauchsmerzen gegenüber diversity Raum gab.

Doch warum beginnt dann meine Challenge nicht mit der richtigen, einen, glaubwürdigen und untermauerten Definition des Wortes?

Hierzu ein vielzitiertes Gedankenspiel, z.B. verfilmt in der Black Panthers: Vanguard of the Revolution“ zitiert wird:

stell dir einen dunklen Raum vor, in ihm ist ein Elefant. Draußen warten 5 Wissenschaftler*innen, sie alle arbeiten nach höchsten Standards. Sie alle haben noch nie von einem Elefanten gehört, geschweige denn einen gesehen.

Nun betreten sie nacheinander den Raum – ertasten eine Form und erfahren: das ist ein Elefant, beschreibt ihn!

Die erste Wissenschaftlerin hatte einen Fuß erfühlt und sagt: Elefant: das ist etwas raues, tonnenförmiges, fürchterlich schwer anzuheben und ist alles in allem rund.

Der zweite Wissenschaftler hingegen ist sich sicher: Elefant, das in dem Raum, etwas hachdünnes flappriges mit dickem Rand, die Form kaum auszumachen aber es zuckt wenn du es berührst, er hatte ein Ohr zufassen gekriegt, die nächste den Rüssel (hat zwei löcher unfassbar lang fast wie eine Schlange aber eher nur arm dick) und so weiter. Alle haben ihre Definition basierend auf ihren Beweisen verfasst, sie gehen davon aus das es genauso erneut durchführbar ist.

Doch dekoloniale Wissenschaften sagen: es geht nicht um wahr und falsch, es geht darum Definitionen als situativ gebundene Verständnisse zu begreifen. Nein, keine angst, das ist nicht das Ende der Wissenschaft, aber es hilft und Definitionen wieder als das zu begreifen was sie sind: Hilfsmittel um etwas zu beschreiben die aber durch mehr wissen jederzeit erweitert oder gar korrigiert werden können. Doch ist aufgrund der Kolonialisierung eine Definition etwas machtvolles, starres und unveränderbares geworden, deswegen hift es das Wort zu ersetzen und von Verständnissen zu sprechen.

Ich liefere also keine Definition von Decolonize, weil es der Sache nicht dienlich wäre. Stattdessen möchte ich in der 4 wöchigen Challenge Ansätze vermitteln um dekoloniales Denken zu ermöglichen, den Muskel zu trainieren, das hinterfragen zu stärken.

Genau das ist decolonize, und deswegen ist es schwer es generell zu beschreiben. Decolonize Sport kann z.B. sein Körperbilder, Ziele, Methoden, Orte und Gruppenkonstellationen zu hinterfragen. Wer unterrichtet warum was zu welchem Zweck und wer hat welche Kapazitäten und Zugänge, wo ist hier die koloniale Ader, die aus der Vergangenheit ins heute verläuft?

Decolonize Education kann bedeuten: wie reproduziert, produziert und erschafft Uni Räume in denen Kolonialismus, Extraktivismus und Kapitalismus moralisch legitimiert und gesellschaftlich durchführbar gemacht werden? Kann es innerhalb der Uni geschehen koloniale Kontinuitäten zu dekonstruieren oder muss dies außerhalb passieren? Was war die Funktion der Uni in vorkolonialen Zeiten auf dem afrikanischen und amerikanischen Kontinent und in Europa? Welche Funktion erfüllte sie währenddessen und heute? Warum scheint uns schulisches Lernen unabdingbar, hier könnte dann z.B. escaping from slavery gelesen werden, in dem Bok davon berichtet wie sein Leben auch erfüllt war ohne Schule, die Dinka genau wegen dieser Zufriedenheit immer wieder kolonialen Bestrebungen erlegen sind.

Decolonize Work(spaces) kann sein das Konzept von Arbeit vs. Nicht Arbeit in Frage zu stellen, oder zu fragen wer was arbeiten darf aufgrund welcher kolonialer Kontinuitäten -w wie hängen Kapitalismus und Kolonialismus zusammen?

Ihr merkt vielleicht – decolonize gibt nicht Antworten auf praktische Fragen, sondern Fragen auf zu kurz gegriffene Antworten (ein Polizeichef muss nur Schwarz sein damit es läuft! Nein, denn die Polizei ist eine koloniale Kontinuität von Versklavung hin zur heutigen Masseninhaftierung).

Das schöne an decolonize ist, das es weniger schmerzt desto öfter du es zulässt. Es hat kein Ziel, heißt du rennst keinen weg entlang sondern versucht die Welt um dich Realitätsnäher wahrzunehmen, du versuchst die Schichten der Verstrickungen von Gewalt durch Kolonialismus zu benennen, dein Team ist vielleicht Divers, ihr entsprecht auf die Zahl genau der gesellschaftlichen Anteile der Gesellschaft – aber das macht es noch lange nicht dekolonial. Dekolonize würde Fragen: wer verdient daran? Woraus wird das Geld generiert, von wem stammt dieses Wissen? Wem dient die Diversity am meisten, wie sieht es mit Reperationen durch Gehaltsstruktur aus? Wie werden heutige koloniale Mechanismen mit eingerechnet?

Eine Firma kann nie dekolonial sein, aber sich selbst durch solche Gedanken immer wieder in Frage stellen, nachjustieren und den eigenen Anteil in der kolonialen Kontinuität versuchen immer wieder zu reduzierend, wohl wissend das in einer nicht dekolonialisierten Welt es immer wieder komplexe Fallstricke gibt die ein nachjustieren verlangen.

Dekolonize Kunst kann also ganz anders in den Handlungen aussehen wie decolonize Schulen, es geht nicht um die Einstellungs-Praktiken, es geht um die Denkbewegung, deswegen nannte Prof. Dr. Auma es auch decolonize MOVES in einem Seminar, Gedankenbewegungen die zunächst nach schrecklich viel Veränderung klingen, zur Gewohnheit werden und das Leben in der Veränderung lernen zu feiern als Gedankentraining hin zu decolonize everything.

Diversity ist populärer weil es der westlichen Denklogik folgt: Problem, Weg, Lösung. Es gibt auch klarere Regeln, wer wo was zu diversitfizieren ist, solange der Kapitalismus unser Handlungsrahmen ist ist genau diese Bezifferung, dieses Ziel das erreicht und erstritten werden kann auch hilfreich, allerdings ist Minneapolis und das Revier bei dem die Mörder Flyods angestellt waren das beste Beispiel dafür, warum „diversify police“ nicht reicht, Schwarze und first Nation Menschen waren hier in Führungsrollen aufgestiegen, es gab viele Reformversuche, doch die Konsequenz bleib: ein Polizist mit 17 Meldungen wegen gewaltvollem Verhalten hat bei Tageslicht einen Schwarzen Mann ermordet, vor seinen Kollegen. Nur 3 Wochen später hat der Supreme Cort sich dagegen entschieden die Immunität der Polizei neu zu bewerten, diese Sicherheit das auch dieses mal seine Gewalt keine Konsequenzen haben wird, ist, was sich in seinem Gesicht spiegelte. Das Land versucht Polizeireviere zu reformieren, zu diversifizieren, aber etwas das zur Restriktion Schwarzer Menschen geschafft wurde (Polizei entstand in den USA als Einheit gegen Versklavte die versuchten zu fliehen) muss dekolonialisiert werden, defund und abolish sind nicht das extremste, sondern nur erste Ziel in meiner dekolonialen Denkbewegung. Erst wenn der Schaden nicht weiter ausgeübt wird können unsere kolonialisierten Vorstellungen des Wertes Schwarzen Lebens rekalibriert werden. Ich hoffe wir stellen dann fest das abolish der erste von vielen Schritten war, ich sehe dort Reparation, ich sehe viele Fragezeichen wie weitere Unterdrückungsmechanismen die zu Gewalt in Community führen reduziert werden können – decolonize heißt zu imaginieren was undenkbar scheint, deswegen gab es diese Woche diese breite an Aufgaben:: decolonize ist in den tiefsten Schmerz reinzugehen, das was schon hübsch divers aussieht dekolonal in Frage zu stellen um dann in den höchsten Tönen zu erträumen was undenkbar erscheint.
Ein Muskel, den ich auch noch viel trainieren muss.

 

 

zur decolonize challenge geht es hier, SchwarzRund im Internet zu finden geht am besten hier, unterstützt mich langfristig via Patreon oder einmalig via PayPal.

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  1. Pingback: Decolonize – The one true Definition – SchwarzRund

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