Am 10.05. ist wieder ____ -Tag. Feiere die Leerstelle!

Mütter feiern ist vielen wichtig, auch in feministischen Diskursen, in Schwarzen Diskursen. Mütter feiern hat auch irgendeinen Nachgeschmack von Nazizeit und Mütterkult.
Muttertag kann auch Schmerz sein, eine Mutter verloren haben kann Schmerz sein, als Kind entscheiden zu müssen, dass es mit der Mutter nicht geht schmerzt.

Meine Timeline explodiert und zeigt in absurder Klarheit die Vielschichtigkeit meiner Communitys. Sonst sind dort große Lücken, die Schwarze Community postet über Baltimore und Schwarze feministische Perspektiven, Die weißen Queers bearbeiten ganz andere Themen, Feminismus streitet unter dem Hashtag #regrettingmotherhood ob Mütter Mutterschaft auch blöd finden dürfen. Die neurodiversen Gruppen haben Angst davor bald nichtmehr arbeiten zu dürfen, während die Fatbewegung gerade das neue Fat-Model feiert.
Aber nicht heute.
Heute nehmen alle Communitys teil, teil am Mama feiern. Und genauso wie es blöde ist gerade am heiligen Abend in Nachbars Bude zu stürmen und das Fest lustig zu dekonstruieren, will ich nicht am Muttertag Gender etc. dekonstruieren unter jedem „Mama du bist die Beste“- Post.

Ich will aber auch etwas widmen können, Menschen die es sonst nie gesagt kriegen etwas liebes sagen das gesagt werden muss.

Also:
An alle die keinen Weg mit den Eltern finden können,
an alle die das, was gegeben sein sollte selbst immer wieder erbauen müssen,
an alle die keine weiche Absicherung des eigenen Scheiterns im ominösen „daheim“ finden,
an alle die Herkunftsfamilie sagen, um Distanz zum Schmerz zu gewinnen
an die, die wissen, das es eine Lüge ist das alle Eltern ihre Kinder lieben
an alle, die wissen, das der Tag des Todes irgendwann kommt und es bis dahin keine gemeinsame Zeit mehr geben wird,
an alle-ohne Mamas oder Erziehungspersonen: feiert ein weiteres Jahr in dem ihr Wege gefunden habt.
Vielleicht war die Scheidung zu euren Eltern heute 5 gute Jahre her? feiert das!
Vielleicht habt ihr sie gerade erst hinter euch gebracht? feiert das!

Ihr habt einen der schlimmstmöglichen Verluste durchgemacht, zu lernen das die größte Lüge die euch je aufgetischt wurde nicht stimmt, dass es nicht stimmt „dass alle Menschen gleich sind, weil alle von ihrer Mutter bedingungslos geliebt wurden“. Ihr seit trotzdem noch da, obwohl diese so fundermentale Absicherung der Existenz-Berechtigung nicht da ist.

Ihr habt gekämpft und kämpft immer wieder erfolgreich um den Schmerz zu überleben, eure Grenzen zu erhalten und um die eigene Existenz zu sichern. Um euren Eltern es zu verunmöglichen weiter das Unsagbare zu tun: die eigenen Kinder emotional zu zerstören. Um die wenigen guten Momente nicht durch weitere dutzende Schlechte zu überlagern.

Ein Leben mit Leerstelle.

Es gibt nichts was den Schmerz lindert, nichts was es einfacher macht damit zu leben, dass ihr dazu gezwungen wurdet so eine Endscheidung treffen zu müssen.

Danke das ihr für euch kämpft, ihr leistet großes für euch! Das ist ungesehen in dieser Gesellschaft, nicht tauglich für eine süße Meme und bringt euch keine fb-likes für süße Mama Leerstelle-Kind Bilder, aber es ermöglicht euch zu heilen, zu leben. Und das ist verdammt viel wert.

******

Soundsoviel Promille und ein Trauma und wie auch Du Mama? Ich mach Schluss  stellen auch den Weg da, den ich gegangen bin mit meiner Mutter in ein Leben ohne Elternkontakt. Mein Zine „Mehr als nur dein Kind sein“ beschäftigt sich mit Überlebensstrategien von Soziopathie-(un)diagnostizierten Eltern.

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7 Comments

  1. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Andere Perspektiven auf den Muttertag, Kritiken an kultureller Aneignung und aufwühlende Transitionserfahrungen – die Blogschau

  2. Sister without 'mother'

    Was für ein unglaublich toller wichtiger Text von Dir, der mir aus der Seele spricht und mich tröstet. Ich fühle mich nicht sehr oft verstanden, aber gerade tue ich es. Danke für Deinen ganzen Blog.
    Ps: ich habe vor über 15 Jahren mit meiner Mutter schluss gemacht und trotz gesellschaftlichem Schuldgefühl einreden habe ich es nie bereut, im Gegenteil. Es war die Voraussetzung dafür, dass ich mich selbst wertschätzen darf. Es mag traurig sein, aber es ist auch empowernd, und die traurigkeit der Umstände würde nicht weniger werden, wenn ich in einer abusive Beziehung bleiben würde wenn ich die Wahlmöglichkeit habe. Ich habe ältere Menschen gefunden, die mir viel mehr guidance und Wohlwollen geben als meine Mutter das je getan hat, sie teilen mein Erfahrungen, ich bin froh und dankbar über diesen späteren „Ersatz-Rückhalt“.

    1. Oh soo vielen Dank für deinen Kommentar -15 Jahre sind eine Zeit die noch weit vor mir liegt und es ist toll und stärkend zu hören das dort statt reue nur stärke kommt 🙂
      Sehr sehr gerne – Kinder die die Eltern verlassen werden zu selten gehört erhört…

  3. Hallo schwarzrund,
    bin gerade über die GOWS hier gelandet.
    In deinem Leerstellen-Text habe ich mich verloren und gefunden. Tränen geweint und Kraft getankt als emotionales Waisenkind, das sich so gut es geht selbst bemuttert. Dafür danke!

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