Kurzgeschichte 1.ter Teil der Kurzgeschichte KLIMA

Als sie begann zu lesen, waren es Magazine. Heimlich, denn neben der zu frühen Einschulung drohte auch die Belehrung. Mit vier Jahren fingen Wörter an ihre Umgebung zu bilden, in der sie sich zu bewegen wusste. Diese vielen Gesichter und Posen…

liebevoll und doch erbost erklärte ihre Mutter, warum dies keine „richtigen“ Frauen sein, mit all dem Make Up. Das machte es nur noch verlockender. Sie lernte die Vokabeln, die Techniken wie Haare zu sein hätten, probierte heimlich mit Cremes aus ihre Haare mit den Zaubersprüchen zu verzaubern, vergeblich,, natürlich. Die weißen Hände die über ihre Schwarzen Locken zeterten hatten nichts übrig für Frisuren nutzten jede Ausrede, jeden knoten, um die Locken wegzuschneiden. Die Haare machten wütend, die Knoten ihr Schmerzen und der weißen Hände-Trägerin Wut. Die Art von Wut die in Alkoholgestank, zerschmissenem Geschirr und halb nacktem Geschrei auf der Straße endete. Die kleinen Kringel brachten Scham, auf allen Ebenen. Dabei kannte sie sich doch aus!

Nun war sie 11, wusste alles über „lockere Zöpfchen“ und wie glatte blonde Haare gekämmt und gestylt werden müssten.

Ihre eigenen Haare blieben ihr fremd,

Ihre eigenen Haare machten sie fremd.

Zur Fremden.

Und doch lernte sie weiter die Vokabeln, Schulhofschnack erforderte das.

Die eigenen Haare zerknotet versteckt, weil die weißen Hände kapituliert hatten.

Eine von denen mit den weichen glatten Haaren sah sie an, als erkenne sie erst jetzt wer dort bei ihnen mit redete.

„Wenn du sie einfach oft genug rasierst …“

Diese 7 Wörter waren ihre Zeitmaschine, wieder 6 saß sie auf dem Stuhl unter den weißen Händen.

„Wenn ich die einfach oft genug rasiere…“ Betete ihre Mutter.

Manchmal beschwor sie:“wenn du sie nur oft genug um deine Finger drehst wird die Krause zu großen locken“

Sie sagte nie: Prinzessinnen locken zu der Kleinen, dafür war sie zu emanzipiert.

Sie sagte nie weiße locken.

Denn Farben? Nein die sah sie nicht.

Wenn sie sich verschnoddert bei den weißen Händen für ihre AufWendigkeit entschuldigte,  zog diese an ihrem Glimmstengel, seufzte und beschwichtigte:deine Haare, die sind halt nicht für dieses Klima gemacht.

Und die Kleine verstand:

Du du bist halt nicht für dieses Klima gemacht.

Denn wo auch immer sie verweilte, sie wurde nie gesehen, nur ihre Haare. In den Augen der anderen war sie nur diese Masse an trockenen Verwirbelungen.

Sie verstand: ich habe dich nicht für dieses Klima gemacht.

Sie schluckte, fand ihr elfjähriges Ich wieder. Die blonden Haare Städten sie erwartungsvoll an

„Bin halt nicht für dieses Klima gemacht!“ sie kicherte unsicher, die anderen fielen kreischend ein, gerettet.

Die Magenssäure,die ihre Speiseröhre erobert hatte, sank ab, gefolgt von einem flauen Gefühl sich selbst verraten zu haben.

Sie drückte ihr Cappy fester auf den Schädel, Wind und locken hatten es Richtung Himmel gedrückt, die anderen merkten es zu ihrem Glück nicht.

Es schnodderte neben ihr, unterbrach das Gekiecher „ey EY ich weiß wie wir die nennen können!“

 

Und statt der Silben, die sich nicht um die Zungen in den weißen Mündern legen wollten, hieß sie jetzt KLIMA.