Gratulieren myself. Vom Überleben.

Wir rasen verdammt schnell in deiner alten Gurke,

du klemtest deine Fuß immer so ein, dass dein Knie in die Höhe ragte. 

„Teddy“ nanntest du mich und fragtest „was ist bei dir die nächste grenze?“

„18! mit 18 aus dem Leben gehen ist irgendwie so klischee, das es verlockend ist“

du nicktest, „hauptsache halt selbst gewählt, nicht durch irgendwas.“ ich war mir sicher, dass du bald aus dem Leben gehen würdest.

Es geschah erst einige Jahre später.

Du hattest deinen Suizidwunsch überlebt, und ein Auto entschied das du sterben solltest. Das ist bis heute etwas, das sich mir nicht erklären will.

Dein viel zu altes Auto, dein hochgestelltes Knie, dein Wunsch zu gehen… nichts davon hatte etwas mit deinem Tod zu tun, nut lauter Dinge die jeden anderen eben so erwischt hätten.

Seit dem hat jeder überlebte Tag den bitteren Beigeschmack gehabt mich um die Freiwilligkeit des selbstgewählten Todes zu bringen.

Das klingt düsterer als es ist, durch irgendetwas irgendwann zu sterben ist ein verdammt entmächtigendes Gefühl.

„Soziopathie, ihre Mutter.“ und mein Gehirn ratterte. Die nächsten Jahre waren Recherchearbeiten. Viel verstehen, entzerren dessen, was dies mit mir machte.

„Kinder die alleinig  von Soziopath*innen groß gezogen werden gehen in überwältigender Anzahl selbst entschieden aus dem Leben um der völligen Entmächtigung durch Manipulation und Lügen einen ermächtigenden Akt des frei gewählten Befreiens aus der Situation zu entgehen“ oder so ähnlich stand es in einem Fachbuch.

Und da sas ich mit 24 Jahren, hatte endlich eine Erklärung warum nicht meine Gedanken zum Sterben das Problem, sondern immer Teil des Überlebens waren.

Bipolar, Künstler*in… für alle gab es Sterbeprozente, Todesgrenzen, mit 27, dort bringen sich viele um oder gehen aus dem Leben. Mit 25 war ich verstrickt in einrem Lügengesprinst eines neuen Menschens, hatte meine Mutter aus meinem Leben gehen lassen.

Irgendwie es noch 2 Jahre schaffen, ein Buch vorher schreiben, dann darfst du.

Wenn du willst.

Doch ich wollte nicht mehr -gehen.

Ich will nicht mehr -gehen.

Heute ist der erste Tag an dem ich 28 bin.

was mich am Leben hielt war die bedingungslose Liebe meines Vaters, meiner Schwarzen Familie. Dass sie warten, bis ich bereit bin und sehen wie sehr es mich zereisst Familie zuzulassen, weil Familie eben für jene Nazis stand, die sich meinen Tod wünschten und für jene Mutter die ihn zu oft foccierte.

Was mich im Leben versicherte war, ihre Diagnose zu kennen, zu wissen, dass mir keine Gerechtigkeit widerfahren wird, sie nicht eines Tages ihr Verhalten reflektieren und ändern wird, weil sie es nun mal nicht kann, aber alles was an mir disfunktional erscheint, überleben garantierte.

Die Suizidgedanken und Planungen, Versicherungen über eine Sache Macht zu besitzen.

Die Ängste und Panikatacken, die physisch schreien ohne sich mir zu erklären, mein fantastisches Warnsystem welches mich vor neuen Betrügern schützen will, wenn mein Bewusstsein es nicht schafft, zu begreifen, dass wieder die Wahrnehmung der Wirklichkeit verändert werden soll um mich zu kontrollieren.

und, und, und.

Ich gratuliere mir. Heute. 28, verdammt. Mit einem Buch voller Plänen für die Zukunft und dem Verständnis, dass Suizidgedanken kein Problem sind, sondern liebevolle Warnsignale meines selbst an mich, das mir sagt „My dear, dieser Mensch, der tut dir nicht gut. Bitte bring mich in Sicherheit.“

Mach ich, bin ich mir wert, wieder und wieder! Hier. für mich, und andere die überleben oder überlebten und dann gingen, ein Geburtstagsständchen:

 

 

Nina Simone, Suizid und der Black History Month

 

Viele der Gespräche zu Suizid flossen in meinen Roman BISKAYA ein
„Suizid – es fühlte sch wie heim kommen an.“

Biskaya Roman




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