Davon, wie es ist, Schwester(n) zu werden

 

20.10.2016 23:50

Ich weiß komm noch wohin mir mir. Wie packt mensch nochmal gleich Sachen, wie genau wird Esen hergestellt? Alles große Rätsel. Am Samstag wird die Stadt gefüllt sein mit 40 Millionen Touris. Der Tag, an dem ich die Stadt immer verlassen habe ist nun der Tag wegen dem ich nach Bremen fahre, ohne zu wissen wie ich es zu Ihnen schaffen soll in einer Stadt die vollgestopft sein wird mit weißen Betrunkenen.

Ischasse Freimarkt!

Es irgendwie schaffen morgen in diesen Bus zu steigen, es irgendwie schaffen.

 

Ich weiß kaum wohin mit meinem Hass für diese Stadt, mit meiner Verunsicherung vor ihr.

Mit mir.

 

20.10.2016 01:16

Ich schreibe einen Blogpost, der so garnicht passen will. Die „krasseste Zeit des Lebens“ sagen alle, und sie haben ja auch irgendwie recht. Ich habe einen Roman geschrieben, bald erscheint er und doch beisse ich, und zwar mich, durch meinen Alltag.

Ich bin kein Stück weniger Neurodivers weil ich das geschafft habe, nur ein bisschen mehr draussen.

„Es bestimmt sicher gerade alles ALLES“ sagen  sie und das ist richtig, aber meine größte Angst?

die sitzt gerade an der Weser, in der Stadt in der icgh groß wurde, die Stadt die sie von ihrem Vater wegen mir trennte, Schuldgefühle.

Für etwas, für das ich nichts kann… kurzum: ich werde meine Schwester kennenlernen. Sie ist älter wie ich, Fachärztin und hat englisch gelent und dann ein bisschen Deutsch – wegen mir. Sie rennt mir seit 27 Jahren in die Arme und bleibe Stocksteif, scheitere daran auch nur einen Schritt in ihre Richtung zu gehen, versagen.

Ich habe trotz weißer Entwicklungshilfe Mutti überlebt, trotz ihrer Fascho Familie, aber ich habe desswegen eines nie gelernt: was es heißt Familie zu sein.

Ich habe nur gelernt Familie zu VERlernen, weil das die Notwendigkeit war.

Viele mit Familie außerhalb der Deutschen Taanten und Onkel wissen für wieviel das alles steht. Du hast nur diese Überreste an Kultur an die dich klammern kannst, warst nie deutsche Kultur, viel.zu.fremd. also ist dir das ganze deutsche Gehabe. Und in den Augen deiner Familie bist du genau das.

Ich habe angst vor diesem Moment der Deutschwerdung, für den diese Begenung steht, ich finde es grässlich welches Band mein Kopf dort legt, welche Verbindung es zieht aber:

Es ist nicht meine Schuld, mit knappen drei Jahren bist du nicht Schuld an deiner fluchtartigen Migration.

Nicht Schuld daran da du deinen Vater vermisst hast.

Es wäre einfacher, wenn sie mich dafür hassen würden, meine Geschwister. Aber sie überschütten mich mit Liebe, Vertrauen und völllig unbeängstiger Ruhe, weil sie Familie gelernt haben.

Seit 48h zittere ich, habe Kopfschmerzen die meine Nerven entlang schießen und durchs Gehirn funken.

Jede Psychosomatische Reaktion wird abgespielt, jede.

Ich werde schreiben, hier berichten oder auch schweigen.

Als ich ManuElas Buch damals las, gab es mir die Möglichkeit meine Ängste wieder zu spiegeln, vielleicht spiegelst auch du dich ein wenig hierdrin. Wenn die anderen spiegel nur unsere Differenzen aufzeigen zu dem, wie wir uns sehen.

Am Freitag fahre ich in die Stadt an der Weser, am Samstag werde ich sie treffen, am darauf folgenden Wochenende wird sie mich besuchen.

Und ich habe Sehnsucht, nach ihr und meinem Vater und dem altbekannten Alleinesein, dass mir zumindest vertraut ist, Alleinesein kann ich. Familie? ich hoffe, ich kann es noch lernen.