Das Privileg, überrascht zu sein nach der US Wahl

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Die Wahl in der USA zeigt so vieles auf, vor allem aber wie unterschiedlich die Welt aussieht aus den Blickwinkeln die Machtkonstellationen mit sich bringen.

Seit Beginn verfolge ich ängstlich das Wahlgeschehen, so geht es mir ständig. So geht es den Geschwistern ständig, weiße Machtstrukturen führten zu Verschleppungen, Diaspora ist teil unserer Familienstrukturen. Während manch weiße Person betroffen ist von Wahlen in der Stadt in der er wohnt und dem Örtchen wo die reichen Eltern sein Leben finanzieren, wirkt sich das Geschehen auf drei Kontinenten auf meine Familienstrukturen aus.

Mein Herz lebt nicht nur in Berlin, es lebt in Bremen, Madrid, Athen, Santo Domingo, Santiago DR, Georgia USA, News York USA. Es schlägt auch für die queeren Geschwister die meinen Lebensweg kreuzten.
London, Paris, Kamerun, Nigeria, Benin.

Seit Jahren geht die Gleichung nicht auf, sosehr ich sie auch glatt rechnen möchte. Allianzen mit weißen Frauen die nicht auf privilegienbewusstem Engagement beruhen sondern auf Gleichsetzung, verschaffen mir Übelkeit.
Mein Kopf routiert um die Politiken, die ich in Zukunft leben möchte. Weiße Begehrlichkeit ist etwas, das Teil vom Problem ist. Nicht meine Schuld, aber befürwortend für das System. Und ich hasse es anzunehmen, wer ich nun bin obwohl ich genau das Liebe.
Ich kann nicht mehr verhindern zu sehen, dass es kein Band gibt das BPoCs und weiße verbindet aufgrund von Identitäten, sondern nur noch aufgrund von ganz konkretem Handeln.
Nur weil du eine weiße Frau bist, bist du mir kein Stück näher wie ein weißer Mann, du bist genau so Teil.
Ich sehe, die Unterdrückung die du erfährst, aber du siehst meine nicht. Während ich gezwungen bin mich mit dir auseinanderzusetzen hast du die Gelegenheit dich dafür oder dagegen zu entscheiden. Die Frage die sich dir stellt, ist ob du dein weißes Privileg wirklich eintauschen willst für die milde Hoffnung, dass wenn alle Unterdrückten mehr macht erhalten du mehr durch Frauenrechte gewinnst wie durch dein weißes Privileg.

Diese Nacht hat die USA es entschieden, hat es uns auf verdammten historischen Papier erneut ausgedruckt.

Trotzdem ist es verdammt schwer immer wieder dem zu entgehen, sich zugunsten von Familie, Freund*Innenschaften, Jobs, Liebe etc. Bemerkbar zu machen, gesehen zu werden … Schwarze Körper sind so gewohnt nicht beachtet, wertgeschätzt zu werden das es für uns ein langer Prozess ist anzuerkennen das wir es besser verdienen.
Ich versuche Wünsche an mich zu richten, um nichts zu bereuen.
Ich will Ansprüche an Weiße richten und sie gehen lassen wenn sie zu verloren sind in ihren Privilegien.
Ich möchte das Recht genießen auch ohne starke Vernetzung und Rückhalt in der Community mich für mich zu entscheiden, Einsamkeit wird daraus folgen aber das ist jetzt okay für mich, wo Leere ist, ist immer auch Raum. Manchmal Raum für neue Menschen oder wie ich nach dem Ende meiner weißen RZB feststellen durfte: Raum für mich.

Ich wünsche mir, dass ich die Entschuldigung „aber es ist halt meine Mutter/Vater/Tante…“ Nicht mehr akzeptiere. Du bist als Weiße*r aktiver Teil des Problems wenn du Rassismus zulässt, egal wer der Auslöser ist. Ja, ich will das du dich zerstreitest mit anderen oder gehst, ich will keine weiße Bequemlichkeit mehr auf meinem Rücken austragen lassen.

Ich wünsche mir Stille, wenn es um unsere Trauer geht, schreibt einfach „kontaktiert mich wenn ich etwas tun kann“ und lasst dann uns den Raum in den sozialen Medien. Eure weißen Tränen sind Schläge in unsere Gesichter.

Ich wünsche mir ein Überdenken eurer Sprache. Agressive weiße Sprache, selbst wenn sie gerade gegen white supremicist geht ist gerade nur Öl in das Feuer unserer Gefühle, eure Entrüstung ist eine freie Endscheidung eurer politischen Positionierung. Unser Schock ist ein koloniales Trauma das gerade neu in unsere Venen geschnitzt wird.

Ich wünsche mir Verantwortungsübernahme. Ruft jetzt eure Familienmitglieder an denen ihr immer wieder Ismen durchgehen lasst, konfrontiert sie. Die Wahl in Österreich ist am 3. Dezember, BRD nächstes Jahr.
Wer nett mit Papi Kuchen isst und später twittert „OMG mein Vater hat die Rechten gewählt“ ist einfach raus. Geht, hört auf Antirassismus für euch zu claimen, es ist kein Button sondern eine verdammte Verpflichtung.
Das geht auch an jene die den Widerstand anderer als Schmuck tragen aber nicht zulassen wollen das andere [BpoCs] über ihren Körper bestimmen.
Tragt Tunnels, Dreads und was weiß ich. Go.For.It. Nur sucht euch dann auch das richtige Movement aus wo ich euren Tränen nicht lauschen muss. Wie ignorant kann mensch sein?

Kommt darauf klar, das ihr immer Teil der Macht sein werdet, egal wie queer ihr seid. Ihr habt das richtige Camoflage wie Aamer Rahman so treffend sagte, das könnt ihr nicht ablegen und tbh ihr würdet es auch keine Sekunde ohne überstehen.

Reflektiert eure Liebesbeziehungen. Denkt daran das Liebe und Begehren uns vieles erdulden lässt was wir nicht erdulden sollten, seit streng mit eurem Weißsein, euren Polykonstruktionen, eurem Raumeinnehmen weil ihr die Person ja „soo liebt“ aber die Person Raum ohne euch benötigt, es braucht Primär zu sein weil es sich sonst wieder so ist wie immer, im Hof der Schwarze Körper, während weiße Ehefrau im Hause gebettet ist. Das ist nicht revolutionär, das ist einfach nur Ekelerregend wenn es nicht nach langen sehr sehr offenen Verhandlungen so entschieden wurde.

Hört auf Klassismus als Grund zu nutzen warum ihr verletzten dürft. Das ist nicht okay. Auch Nicht-Wissen kann Privileg sein weil es nicht die Notwendigkeit gab trotz Klassenbenachteiligung an das Wissen zu gelangen um zu Überleben.

Hört auf eure Fehler mit unseren Körpern zu verdecken, Sex und Liebe als Verbindung zu nutzen für das eigene weiße Wohlbefinden war und ist immer Teil vom System Sklaverei gewesen, ihr setzt nur ein anderes Vorzeichen davor, die Unterdrückung und die Praxis bleiben.

Hört auf irgendwas den BpoCs und Natives/First Nation Ppl die nicht gewählt haben / unpoplulär gewählt haben es in die Schuhe zu schieben.
Es geht um eine weiße KKK Bewegung die sich gegen uns positioniert, es liegt in euren historischen Schuhen.

Hört auf zu Fragen ob wir „nur Schwarz“ „Brown“ „Latino“ sind oder auch feministisch. Diese Trennung ist euer absurdes Konstrukt, mein Latinix-Sein ist perse Feministisch. Ich bin als Afro-Latin@ immer Femme, Schwarz und Latin@ zugleich und gegen das weiße Patriarchat, egal ob ich deine weißen Theretiker*innen kenne oder nicht. Dekolonialisierung ist Zerstören von weißer Binärität und Cis-Männermacht. Verschlungener, komplizierter als eure drei-Wort Slogan.
Unausgesprochen Ausgesprochen Widerständig.
Nie einfach und immer vielschichtig aber es denkt mehr mit wie euer weißer Feminismus.

Dieser ist nur, wie Dark Matter sagen, Teil von kolonialer Praxis.

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Während die weißen Mützen nun wieder über Brücken schreiten, weiße Linke versuchen „positive“ zu bleiben schreiben meine Geschwister über ihre Überlegungen das Kopftuch aus Angst abzulegen, den Afro abzuschneiden und sich weiß zu schminken.

Unsere Realitäten sind so weit voneinander entfernt, dass ich nicht auf Einigung durch Diversity poche, sondern auf Dekolonialisierung.

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