Das böse Monster Lebensorganisation

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Irgendwie gibt es ja oft zwei Lager, bei einem Thema lässt mich das immer in peinlichem Schweigen verstummen.

Das böse Monster: Le.bens.or.ga.ni.sa.tion

Einerseits ist da dieser krasse Druck sich zu optimieren, besser zu werden nach Normen die gemein sind… Andererseits ist da aber auch ein Unterschied was das setzen dieser Ziele angeht und das Wissen, dass einem mitgegeben wurde aufgrund von neurotypischen Privilegien und dem Haushalt in dem mensch großgezogen wurde.
Wenn du eigentlich weißt, wie ein Haushalt zu führen ist, Geldverunsicherungen aufgefangen werden durch eine Familie und in den Tag Leben nicht depressive Phasen zur folge hat, ist es einfach groß zu tönen wie unnötig jede Form von Selbsthilfe/Lebensorganisation ist.

Wenn dir aber das System und deine Voraussetzungen den Zugang zu Hilfe und Wissen verwehrt hat, kann das ach so spießige Selbstmanagement Ruhe geben und Türen öffnen. Ich finde es ja auch ärgerlich wenn z.B. Mein Postbote ein Arschloch ist, trotzdem bin ich darauf angewiesen. Mittlerweile bin ich okay damit mir einzugestehen: Für mich ist Lebensorga Lebenserhaltend. Ich möchte das gerne, deswegen suche ich mir Wege.

Für mich hängt da aber auch ein ganzer Rattenschwanz dran, welches Wissen ist zu studieren und welches Wissen ist entweder gegeben oder uncool und spießig? Jap, es ist sehr binär und sexistisch gegendert. Warum ist es hipp Gender Studies zu studieren aber unhipp zu erlenen wie ein Haushalt zu schmeissen ist? Welches wissen welchen Wert hat ist da ganz klar … Und das finde ich mächtig unfair.

Desswegen nehme ich mir diesen Raum um zu berichten davon, wie ich etwas im heimlichen seit einigen Jahren mich zu schützen, und diesen Schutz finde ich in bösen Selbsthilfebüchern, Haushaltsforen und „klarkommen mit Geld“ Büchern. Ob ich dort mit Fatshaming, Sexismus und kapitalistischen Ansprüchen zugemüllt werde? Yes. Aber das werde ich in der Uni, in der Therapie, in der Apotheke usw. auch.

Ein Video hatte ich dazu mal einigen per Twitter-Nachricht geschickt, hier jetzt in Textform:

1. Haushalt/Dokumente
Mein Background ist der eines sehr krassen Haushaltes, die Skills musste ich erst lernen, zuhause bekam ich nur eine sehr negative und emotionalisierte Version von Bezug zum Haushalt mit.
Desswegen landete ich im Hugendubel in diesem Buch, wollte s zynisch Lesen um zu beweisen das es nicht gibt was MIR helfen könnte. Mein Leben war wie es war, ich war immer nervlich runter wegen meiner Wohnung, aber so ist das halt.
Das Buch Magic Cleaning (ja, der Titel. I Know) ist erstens Arschcool weil ich wenige Bücher kenne die so klar Neurodivers geschrieben sind, zweitens es nicht um bezifferte Nummern geht wer was besitzen darf (es geht darum selber zu erlernen auf den eigenen Wunsch zu hören) und drittens einen klaren Ablauf bietet. Es sind also nicht einzelne Ratschläge sondern ein Dramaturgie um erstmal durch alles wieder durchzusteigen, die eigene Meinung wertschätzen zu lernen und einen umfangreichen Grund in der Wohnung zu schaffen.
[CW hetero/cisnormativ, Fatshamend]

2. Auf Geld klarkommen
Heftig verschuldet, völlig unsicher und überfordert zwischen der alten und der neuen Wohnsituation brach mir alles weg. Die zichste Krise, auch begründet in den rassistischen und Norm-geprägten Bafög Richtlinien.
Ich bin dann im folgenden [CW für quasi alles] Forum gelandet:
forum.casablitzblanca.de/
Oh. War.mir.das.peinlich.

Die Wahrheit ist: Es ist ein Ort der Wissensvermittlung. Es ist ätzend, ich muss zich Sachen verschlüsseln aber: Da sind Menschen, die Seit 50 Jahren Haushalte managen, lernen mit Geld klar zu kommen und mit dir jeden Schritt durchgehen, alles abklopfen und am Ende stehst du da mit einem absurd perfekten, individuellen Plan um irgendwie klar zu kommen.
Leute haben da rumtelefoniert für mich um mir zu helfen, das was das Gesundheitsystem meist erst leistet nach sehr großen (Sucht-) Zusammenbrüchen und dann auch nur für wenige ist hier zugänglich. Nicht perfekt, aber irgendwie. Im Notfall nur lesen und sich seinen (lauten) Teil denken.

Mein Finanzsystem ist jetzt so aufgeschlüsselt:
1. Essens/Alltagsgeld mit Monatsetar für den Hund
2. Fixkosten monatlich
3. Fixkosten/Gebühren/Klamottenkram/große Futterbestellung etc. Hochgerechnet aufs Jahr, geteilt durch 12 wird jeden Monat auf ein Konto überwiesen.
4. Mini Sparbuch

 

Ändert das jetzt, dass das System mich teilweise unter der Grenze des schaffbaren hält? Nein, überhaupt nicht. Es nimmt jetzt aber weniger Raum ein und macht Krisen kalkulierbarer. Wenn das Bafög mal wieder 5 Monate nicht ausgezahlt wird weiß ich jetzt schneller was die Konsequenzen sind und wann ich wie handeln muss… es liefert eher einen Schlachtplan und nimmt mir Stück für Stück das Gefühl es irgendwie auch nicht wert zu sein Sicherheit zu haben, weil ich jetzt weiß was diese Sicherheit genau wäre.
3. Bullet Journal
Dazu möchte ich gar nicht so viel sagen, für mich ist es das, was alles ermöglicht und zusammenbringt. Es ist mein kleiner Lieblingsort den ich immer bei mir habe, keinen Kalender mehr zu haben der mich mit unausgefüllten Seiten kritisiert lässt mich atmen.
Es gibt sogar eine Body Positive BuJo Gruppe  und Gruppen für chronisch Erkrankte/ Behinderte Menschen und Neurodiverse

Und diverse Gruppen für Black Planers. [Diese sind aber auf geheim gesetzt]

Hier kann dann auch sowas wie GTD, Eat the Frog, Morning Pages, Tracker, Time Log und was es alles gibt ausprobiert werden ohne gleich eine große Sache daraus zu machen, es sind einfach Versuche im Bullet Journal, es bleibt bei dir und das ist irgendwie wunderschön.
Cool ist auch, das es mit jedem Stift und Notizbuch/Collegeblock losgehen kann.
Großer Tipp ist einfach nur das Video hier anzuschauen und zu starten. Gebt euch Zeit bevor ihr von den Designs und Variationen erschlagen werdet 🙂

Mir hilft vor allem dieser Ort an dem alles zusammenkommt dabei den Selbstanspruch zu erkennen, zu senken und mich mit guten Sachen konfrontieren zu müssen. Das ist aber auch absolut individuell.

Ich vermute das es in einigen jetzt SELBSTOPTIMIERUNG schreit.
Das ist okay.
Für mich sind dies Werkzeuge um Kraft zu haben weiterhin laut gegen das System zu brüllen und meine eigenen stereotypen Bewertungsideen von Lebensmanagement zu verlernen.

 

Ich bin gespannt, ja auch etwas ängstlich, wie eure Reaktionen sein werden.

But,
aha,
baby –
I’m worth it.

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3 Comments

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