#BHM2018 Keine Schattierungen – Rassismus in der Make-up Industrie

Schwarze Diskurse die sich mit Haar-, Mode- und Makeup Kultur beschäftigen werden in weißen linken und patriachalen BPoC Bewegungen gerne abgeharkt unter „tze, das ist doch nur Popkultur“. Doch das eben das Aussehen, die Schattierung in der popkultur weitreichende Folgen hat besprach Superheldin Amara La Negra mit Vice:

Ein tragender Teil von professionellem Make-up sind Foundations, jene cremigen Pasten die der eigenen Hauptkomplexion entsprechen sollte, ein glattes Finish geben und Pickel, Narben und Pigmentstörungen verdecken. Sicherlich schreien einige second-wave Feministinnen nun bereits empört durch die Gegend, „was hat sowas denn auf einem feministischen Blog zu suchen?!“

Diese Welt ist patriachal geordnet, das bedeutet aber nicht das alles Femmeinine schlecht ist, sondern abgewertet wird. Das bedeutet aber auch, das manche Darstellungspraxen von Femmeinität höher bewertet werden wie andere, wer gut geschminkt ist gilt als professioneller, hat ein höheres Einkommen und wird schlichtweg weniger klassistisch behandelt.

Während Lippenstifte und Liedschatten anpassungsfähig an verschiedene Shades (Schattierungen) sind, sieht es bei Foundations anders aus, desswegen auch die riesige Freude über das #Fenty release, die Foundationreihe von Rihanna die mit 40 Farben auf den Markt ging.

Foundation-Produktionsfirmen richteten sich immer in der Hauptsache an weiße Konsumentinnen, Schwarze und BPoC Kundinnen wurden gänzlich ignoriert, es gab wenn überhaupt gräulich orange angemischte Pasten in 1-2 Varianten.

 

Doch Make – Up war an vielen Arbeitsplätzen die einen Klassenübergang darstellten Pflicht. Sekräterinnen, Assistentinnen, Nannys in reichen Haushalten, solch repräsentative Posten mit Kund*innenkontakt verlangten Kostüm, geglättete Haare und eben Make-up. Die schlecht passenden Foundations passten in den Kanon des Blackfacing, daran wie gut oder schlecht das Make-Up passte war nicht mehr nur die Race, sondern auch die Klasse weiter deutlich zuzuordnen. Die Stigmatisierung von hohen BMI’s die vorallem rassifizierte Körper nun einbegriffen, waren eine Umwandlung vion rassistischer Diskriminierung in klassitische Diskriminierung, die selben Gruppen wurden unterdrückt, nur eben unter einem neuen Deckmantel.

Bei Make-Up ging es ähnlich vor, Schwarz-Sein konnte nicht Teil der Chefetagen sein, denn das Make-up war zu unprofessionell. Frauen wurden hohe Positionen ohnehin verwehrt, doch nun konnten weiße Frauen mit weißen Männern gemeinsam agieren für den eigenen Aufstieg in einer patriachalen kolonialen Ordnung, ohne offene rassistische Argumente, klassistische lookistische Ausschlüsse ersetzen dies nun, die koloniale Ordnung blieb somit erhalten. Doch wenn dies in weiß-dominierten Frauen-, Queer-, und linken Bewegungen versucht wird zu thematisieren wird es entweder als Femmethema abgetan oder mit „Ich sehe keine Farben !!111elf“ abgewendet.

Wenn also Firmen wie Tarte Shape Tape nach den Diskursen der letzen Jahre, den Release von #fenty und anderen Firmen sich dazu endscheiden nur 15 Farben auf den Markt zu bringen, wovon 12 Orangensaft(unterton Kuhmilch) ähneln und die anderen drei eine Mischung aus Grau, Orange und Braun sind mit so unterwältigen Titeln wie „Mahagony“ dann, ja dann ist die Reaktion von Beauty-Aktivist*Innen wie Jackie Aina und Nyma Tang nicht „alberne Fragen der Pop- und Make-up branche“ sondern erhaltene rassitische Marketingendscheidungen von Firmen auf Kosten von Schwarzen Femmeinitäten. Schwarz-sein als Ordnungskategorie der Gesellschaft wurde genutzt um einen ganzen Kontinent an extrem unterschiedlichen Menschen über einen Kamm zu scheren, Foundations die keine Untertöne beachten, extrem limitiert auf den Markt gehen, fast nirgends vertieben und nur durch weiße Gesichter beworben werden, tragen zu diesem Bild bei.
Schwarz-Sein ist ein unendlich vielschichtiger Begriff, sichtbare Praxen die dies auf vereinheitlichende phänotypische Merkmale herrunterbrechen wollen sind nicht nur offenkundig rassistisch sondern bedienen sich der breiten kulturellen Praxis des Blackfacing. Schwarze Dark Skin Trans Frauen erfahren diese Gewalt am härtesten, Schwule Cis-männliche Drag Queens nutzen unpassende, skurilwirkende Farbkomposition zur Selbstdarstellung, der Zugang für Foundations die sich von diesem Color-sceme deutlichst unterscheiden ist je nach Einkommen schwierig bis unmöglich. Make-up ist eine Handlungspraxis die aus vielen Perspektiven lebenserhaltend ist.

Es mag gemein sein, dass Make Up mit Professionalität gleich gesetzt wird, jedoch betrifft diese Ungerechtigkeit zu einem überproportionalen Anteil Dark-Skin Geschwister.

Es ist  irrelevant ob dir persönlich Make Up egal ist, es ist ein endscheidener Teil vieler Leben, aus Freiwilligkeit, aus gesellschaftlichem Zwang, aus Freude zu einer Kunstform, aus diversesten Gründen. Wann immer mir ein Diskurs lächerlich, überflüssig und mainstreamig erscheint, versuche ich herauszufinden was die Hintergründe sind, danach bin ich immer wieder enttäuscht von meiner eigenen Ignoranz.

Als Einstieg empfehle ich euch bzgl Hairculture, vorallem eben auch die kapitalistischen Auswirkungen von weißen Schönheitsidealen, folgende Dokumentation „Good Hair“.
Jackie Aina, eine der lautesten und konstantesten Stimmen gegen rassistische Beautyfirmen, besprach zusammen mit Alissa das Problem.

Nyma Tang hat mit ihrem Channel „The Darkest Shade“ dem Thema viel Zeit gewidmet. Ihre Gedanken zu der Marketing-Strategie von Tarte sind sehr bemerkenswert. Denn die Empörung Schwarzer Konsument*Innen wird nun genutzt als Werbeinstrument für neue Foundations, die dann mit einer Erweiterung ihrer Palette glänzen wollen:

 

 

 

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